Die Rückkehr des Manövers? Was die Eurosatory 2026 über die nächste Phase der Landkriegsführung verrät
Mike Koerner //
Der Krieg in der Ukraine hat die Landkriegsführung grundlegend verändert. FPV-Drohnen, Loitering Munitions und permanente Aufklärung aus der Luft haben das Gefechtsfeld hochgradig transparent gemacht und die operative Beweglichkeit eingeschränkt. Bewegung wird schnell erkannt und bekämpft – mit der Folge, dass sich der Konflikt zu einem Abnutzungskrieg entwickelt hat.
Wer jedoch die Eurosatory 2026 besucht hat, konnte einen deutlichen Trend erkennen: Nicht die nächste Generation von Drohnen stand im Mittelpunkt, sondern ihre Bekämpfung. Counter-UAS entwickelt sich von einer Spezialfähigkeit zu einem festen Bestandteil moderner Landstreitkräfte.
Vom Ungleichgewicht zum Gleichgewicht
Nahezu alle großen Anbieter präsentierten integrierte Lösungen zur Drohnenabwehr – von Electronic Warfare über KI-gestützte Sensorik bis hin zu kostengünstigen Abfangsystemen und Directed-Energy-Waffen. Die Botschaft war eindeutig: Das technologische Gleichgewicht beginnt sich zu verschieben.
Diese Entwicklung folgt einem bekannten Muster. Neue Technologien verschaffen zunächst einen deutlichen Vorteil, bevor Gegenmaßnahmen entstehen und ein neues Gleichgewicht herstellen. Das Maschinengewehr bedeutete nicht dauerhaft das Ende des Manövers – ebenso wenig dürfte dies für die Drohne gelten.
Generalleutnant a. D. Eric Wesley bringt diese Entwicklung treffend auf den Punkt: „Drones are not the future of war. They are the problem to be solved.“ Drohnen können aufklären und bekämpfen, sie können jedoch kein Gelände nehmen oder halten. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung zukünftiger Landoperationen.
Die nächste Phase beginnt
Parallel dazu erreichen unbemannte Bodenfahrzeuge (UGVs) die Einsatzreife. Ob Logistik, Verwundetentransport oder bewaffnete Unterstützung – UGVs übernehmen gefährliche Aufgaben und erhöhen die Durchhaltefähigkeit von Infantrieverbänden.
Im Zusammenspiel mit UAVs entstehen Manned-Unmanned Teaming-Konzepte, die Aufklärung, Wirkung und Versorgung in einem vernetzten System verbinden. Gelingt es gleichzeitig, die Bedrohung durch Drohnen mit leistungsfähigen Counter-UAS-Systemen zu begrenzen, könnten diese Fähigkeiten die Voraussetzungen für mehr Tempo und operative Beweglichkeit schaffen.
Der Innovationswettlauf geht weiter
Die Dominanz einzelner FPV-Drohnen wird jedoch nicht das Ende der Entwicklung sein. Bereits heute zeichnen sich autonome Schwärme und Saturierungsangriffe als nächste Evolutionsstufe ab. Ziel wird es sein, Sensoren und Abwehrsysteme durch Masse zu überfordern.
Der Wettbewerb verlagert sich damit von einzelnen Plattformen hin zur Integration ganzer Systeme. Entscheidend ist künftig nicht die beste Drohne oder das beste Counter-UAS-System, sondern die Fähigkeit, Sensorik, Electronic Warfare, Luftverteidigung sowie bemannte und unbemannte Systeme in einem gemeinsamen Wirkverbund zu integrieren.

Fazit
Die wichtigste Erkenntnis der Eurosatory 2026 lautet nicht, dass Drohnen an Bedeutung verlieren. Vielmehr verändert sich ihre Rolle innerhalb eines zunehmend vernetzten Gefechtsfeldes.
Die heutige Dominanz von FPV-Drohnen könnte sich rückblickend als Ausdruck eines technologischen Ungleichgewichts erweisen. Mit der Einführung leistungsfähiger Counter-UAS-Systeme, einsatzreifer UGVs und Manned-Unmanned Teaming könnten sich die Voraussetzungen für operative Beweglichkeit grundlegend verändern.
Für Streitkräfte bedeutet dies vor allem eines: Der entscheidende Wettbewerb wird künftig nicht um einzelne Technologien geführt, sondern um die Fähigkeit, neue Technologien schneller in einsatzreife Fähigkeiten, Ausbildung und Führungsverfahren zu integrieren. Genau darin liegt die eigentliche Lehre der Eurosatory 2026.
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Quellen
- Wesley, E.; Riggs, L.: Drones Are Not the Future of War. They Are the Problem to Be Solved. Modern War Institute at West Point, 2025.
- Eigene Eindrücke und Fachgespräche des Autors auf der Eurosatory 2026.


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