Defence als neues Geschäftsfeld: Große Chance – aber kein einfacher Einstieg

Die Zahlen sind eindeutig: Deutschlands Verteidigungsausgaben steigen 2026 auf über 108 Milliarden Euro – eine Verdopplung gegenüber 2024. Bis 2029 werden rund 152 Milliarden Euro erwartet, mit knapp 48 Milliarden Euro für militärische Beschaffung (Quelle: Bundes­ministerium der Verteidigung).

Auch auf NATO-Ebene zeichnet sich ein ähnliches Bild ab – mit perspektivisch über 1.000 Milliarden Euro Gesamtbudget bis 2035 (ohne USA, Quelle: SIPRI).

Für technologieorientierte Industrieunternehmen ergibt sich dadurch ein attraktiver Wachs­tums­markt. Doch die steigenden Budgets bedeuten nicht automatisch, dass der Marktzugang einfach ist. Der Defence-Sektor ist ein reguliertes, politisch geprägtes und strukturell geschlossenes Ökosystem – mit deutlich anderen Spielregeln als klassische Industrien.

Technologie-Transfer: Nur mit klarem Profil erfolgreich

Unternehmen aus Automotive, Maschinenbau, Elektronik oder IT bringen relevante Kompetenzen mit – etwa in Sensorik, Automatisierung oder Cybersecurity.

Entscheidend ist jedoch die Übersetzung in konkrete Anwendungen.

Denn Defence-Primes suchen keine generischen Kapazitäten, sondern differenzierte Fähigkeiten mit klarem militärischem oder dual-use Bezug. Erfolgreich sind Unternehmen, die ihre Stärken in konkrete Use Cases überführen und daraus eine belastbare Produkt- oder Systemlogik entwickeln.

Die zentrale Frage lautet:

Welchen spezifischen Mehrwert liefern wir im bestehenden Wettbewerbsumfeld?

Marktzugang: Strukturell begrenzt

Gleichzeitig ist die Wertschöpfung klar hierarchisch organisiert – von Systemhäusern über Tier-1-Zulieferer bis hin zu spezialisierten Komponentenanbietern.

Bestehende Lieferketten sind langfristig etabliert. Der Markteintritt erfolgt daher selten über Ausschreibungen, sondern über die Integration in bestehende Strukturen.

International denken – national eintreten

Die Defence-Industrie ist international vernetzt, der Zugang bleibt jedoch national reguliert.

Multinationale Programme stehen national geprägten Beschaffungslogiken gegenüber. Für Unternehmen entsteht daraus ein Spannungsfeld:

  • Der Markt ist international
  • Der Zugang erfolgt lokal und politisch gesteuert

Erfolgreiche Strategien verbinden beides – durch klare Positionierung in internationalen Programmen und gezielte Partnerschaften in relevanten nationalen Märkten.

Drei Muster für erfolgreichen Markteintritt

In der Praxis zeigen sich drei wiederkehrende Ansätze:

  • Partnerschaften: Zugang über Primes, Tier-1-Zulieferer und zunehmend auch neue Akteure
  • Nischenfokus: Spezialisierung in wachs­tums­starken Domänen wie Space, Cyber oder autonomen Systemen
  • M&A: Erwerb bestehender Fähigkeiten, Zertifizierungen und Kundenzugänge

Parallel müssen regulatorische Voraussetzungen frühzeitig aufgebaut werden – von NATO-Standards bis Exportkontrolle.

Der Unterschied liegt in der Umsetzung

Viele Unternehmen erkennen die strategische Chance – die Herausforderung liegt in der Umsetzung.

Erfolgreicher Markteintritt erfordert:

  • Verständnis von Beschaffungslogiken
  • Zugang zu relevanten Netzwerken
  • Übersetzung industrieller Kompetenzen in militärische Anwendungen

ACTRANS verbindet Branchenexpertise mit einem klar strukturierten Vorgehen. Wir unterstützen Unternehmen von der strategischen Positionierung über Make-or-Buy-Entscheidungen bis hin zum Aufbau konkreter Partner- und Go-to-Market-Modelle – inklusive regulatorischer Umsetzung und internationaler Skalierung.

Denn im Defence-Markt entscheidet nicht die Ambition, sondern die Anschlussfähigkeit an bestehende Strukturen.

Quellen:

https://www.bmvg.de/de/aktuelles/deutschland-investiert-in-verteidigung-und-staerkt-das-buendnis-6045046

https://www.sipri.org/commentary/essay/2025/natos-new-spending-target-challenges-and-risks-associated-political-signal